Glossar

Begriffe aus dem Feld.

37 Begriffe · 6 Artikel

A

Adoption-Hürde

Der Aufwand, den eine Person oder Organisation investieren muss, um ein neues Werkzeug produktiv einzusetzen. Je höher die Hürde, desto langsamer die Verbreitung.

Quelle: Wenn Visualisierung billig wird, wird Klarheit teuer

AI-Agent

Ein AI-Agent ist ein kuenstliche-Intelligenz-System, das eigenstaendig mehrstufige Aufgaben ausfuehrt – nicht nur einzelne Antworten gibt, sondern plant, handelt, Ergebnisse prueft und iteriert. Im Unterschied zu einem Chatbot kann ein Agent Tools nutzen, Code schreiben und ausfuehren, Dateien bearbeiten und mit externen Systemen interagieren.

Quelle: The Software Development Lifecycle Is Dead

Alignment

Die Ausrichtung von KI-Systemen auf menschliche Werte, Absichten und Sicherheitsanforderungen. Ziel: Das System tut zuverlässig das, was Menschen wollen – auch in unvorhergesehenen Situationen.

Quelle: AI 2027: Ein Szenario

Ambient AI

Hypothetisches Designmuster: AI-Systeme, die im Hintergrund arbeiten (Kontext aktualisieren, Konsistenz prüfen, Vorschläge vorbereiten) und nur bei relevanten Anlässen ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Gegenentwurf zum dominanten Chat-Paradigma.

Quelle: Calm Technology: Ein Designprinzip von 1995 wird gerade wieder relevant

ASI (Artificial Superintelligence)

Eine hypothetische KI, die menschliche Intelligenz in allen Bereichen übertrifft – nicht nur in Teilaufgaben wie Schach oder Programmierung, sondern generell.

Quelle: AI 2027: Ein Szenario

C

Calm Technology

Designphilosophie, formuliert 1995 von Mark Weiser und John Seely Brown (Xerox PARC). Kernidee: Die besten Technologien erfordern minimale Aufmerksamkeit und bewegen sich fließend zwischen Peripherie und Zentrum der Wahrnehmung.

Quelle: Calm Technology: Ein Designprinzip von 1995 wird gerade wieder relevant

Compute

Rechenkapazität, die für das Training und den Betrieb von KI-Modellen benötigt wird. Wird typischerweise in GPU-Stunden gemessen. Compute-Konzentration bei wenigen Akteuren ist ein zentrales geopolitisches Thema.

Quelle: AI 2027: Ein Szenario

Context Engineering

Context Engineering bezeichnet die Faehigkeit, einem AI-Agenten den richtigen Kontext bereitzustellen – also alle Informationen, Regeln und Rahmenbedingungen, die er braucht, um eine Aufgabe gut zu loesen. Je besser der Kontext, desto besser das Ergebnis. In agent-getriebenen Workflows ersetzt diese Kompetenz zunehmend das manuelle Code-Schreiben als zentrale Faehigkeit von Engineers.

Quelle: The Software Development Lifecycle Is Dead

Continuous Deployment

Continuous Deployment bedeutet, dass Codeaenderungen automatisch und ohne manuellen Freigabeschritt in die Produktionsumgebung ausgeliefert werden – sobald alle automatisierten Tests bestanden sind. Im Zusammenspiel mit Feature Flags und Observability ermoeglicht es schnelle Iterationszyklen bei kontrollierbarem Risiko.

Quelle: The Software Development Lifecycle Is Dead

D

Data Design

Gestaltung von Datenvisualisierungen und datengetriebenen Interfaces – von Charts über Dashboards bis zu interaktiven Explorations-Tools.

Quelle: Wenn Visualisierung billig wird, wird Klarheit teuer

Dialektik der Aufklärung

Horkheimer und Adornos Kernthese (1944): Vernunft und rationale Kontrolle können in ihr Gegenteil umschlagen – in Herrschaft, Normierung, Unterdrückung – wenn sie zum Selbstzweck werden statt zum Mittel für menschliche Befreiung.

Quelle: Kritische Theorie als Diagnosewerkzeug für KI-Systeme

Distribution

Der Zugang zu Nutzern über bestehende Kanäle und Produkte. Google erreicht Milliarden über die Suche, Meta über Social Media – OpenAI hat keinen vergleichbaren Kanal und muss Nutzer direkt akquirieren.

Quelle: How Will OpenAI Compete?

E

Emanzipation

Im Kontext Kritischer Theorie: die Erweiterung menschlicher Handlungsfähigkeit und Selbstbestimmung – als Zielmaßstab für gesellschaftliche Systeme. Im Kontext KI: die Frage, ob ein System Urteilsvermögen erweitert oder durch Abhängigkeit ersetzt.

Quelle: Kritische Theorie als Diagnosewerkzeug für KI-Systeme

Engagement-Kurve

Grafische Darstellung, wie intensiv und häufig Nutzer ein Produkt verwenden. Eine „flache” Kurve bedeutet: viele Nutzer, aber geringe Nutzungstiefe – die meisten verwenden das Produkt selten und oberflächlich.

Quelle: How Will OpenAI Compete?

F

Feature Flag

Ein Feature Flag ist ein Schalter im Code, mit dem neue Funktionen gezielt ein- oder ausgeschaltet werden koennen – ohne den Code neu auszuliefern. Teams nutzen Feature Flags, um neue Features erst fuer einen kleinen Nutzerkreis freizuschalten und bei Problemen sofort zurueckzurollen. In agent-getriebenen Workflows sind sie ein zentrales Sicherheitsnetz fuer Continuous Deployment.

Quelle: The Software Development Lifecycle Is Dead

Frankfurter Schule / New School

Kurzbezeichnung für die intellektuelle Tradition des Instituts für Sozialforschung – zunächst in Frankfurt (1923), im Exil an der New School for Social Research in New York (ab 1933), nach 1945 zurück in Frankfurt. Drei Generationen: Horkheimer/Adorno, Habermas, aktuelle Fortführungen (Lindgren, Feenberg).

Quelle: Kritische Theorie als Diagnosewerkzeug für KI-Systeme

G

Greenfield

Ein Greenfield-Projekt startet ohne bestehenden Code, ohne Altlasten und ohne technische Schulden – auf der gruenen Wiese. Im Gegensatz dazu steht Brownfield, wo man mit existierender Software arbeitet. Viele Thesen zu agent-getriebener Entwicklung gelten primaer fuer Greenfield-Szenarien; in Brownfield-Umgebungen mit gewachsener Codebasis sind die Herausforderungen andere.

Quelle: The Software Development Lifecycle Is Dead

I

Immanente Kritik

Methode der Kritischen Theorie: Ein System wird nicht an externen Normen gemessen, sondern an seinen eigenen Versprechen und Ansprüchen. Zielt auf die Spannung zwischen Selbstdarstellung und Realität.

Quelle: Kritische Theorie als Diagnosewerkzeug für KI-Systeme

Information Literacy

Die Fähigkeit, Informationen zu finden, zu bewerten und zu kommunizieren. Hier: die Fähigkeit, Daten visuell zu interpretieren und darzustellen.

Quelle: Wenn Visualisierung billig wird, wird Klarheit teuer

K

KI-Ethik

Forschungsfeld, das moralische Fragen des Einsatzes von KI-Systemen adressiert. Umfasst technische Ansätze (Algorithmic Fairness, Explainability), regulatorische Frameworks (EU AI Act) und philosophische Grundlagenarbeit. Intern heterogen, kein einheitlicher Methodenansatz.

Quelle: Kritische Theorie als Diagnosewerkzeug für KI-Systeme

Kommunikatives Handeln

Begriff von Jürgen Habermas (1981) für Verständigung unter Bedingungen, die allen Beteiligten gleiche Teilhabe ermöglichen: Nachvollziehbarkeit, Widerspruchsmöglichkeit, keine strukturelle Asymmetrie.

Quelle: Kritische Theorie als Diagnosewerkzeug für KI-Systeme

Kritische Theorie

Tradition der Sozialphilosophie, entstanden am Institut für Sozialforschung in Frankfurt in den 1920er Jahren. Verbindet Gesellschaftsanalyse mit dem normativen Ziel menschlicher Emanzipation. Arbeitet mit immanenter Kritik statt externen Idealmaßstäben.

Quelle: Kritische Theorie als Diagnosewerkzeug für KI-Systeme

M

Moat

Strategischer Wettbewerbsvorteil, der ein Unternehmen dauerhaft vor Konkurrenz schützt – wie ein Burggraben. Bei AI-Modellen umstritten: Wenn Modelle austauschbar sind, fehlt der Moat.

Quelle: How Will OpenAI Compete?

Model Weights

Die gelernten Parameter eines neuronalen Netzes – das eigentliche “Wissen” des Modells. Wer die Weights hat, kann das Modell betreiben. Diebstahl von Weights ist ein zentrales Szenario im Text.

Quelle: AI 2027: Ein Szenario

O

Observability

Observability beschreibt die Faehigkeit, den inneren Zustand eines Systems von aussen zu verstehen – durch Logs, Metriken und Traces. Im Kontext agent-getriebener Entwicklung wird Observability zum zentralen Feedback-Mechanismus: Statt dass Menschen Code reviewen, ueberwachen automatisierte Systeme, ob die ausgelieferte Software tut, was sie soll.

Quelle: The Software Development Lifecycle Is Dead

P

Peripherie / Zentrum

Die zwei Modi der Aufmerksamkeit in Weiser/Browns Modell. Peripherie = unbewusste Wahrnehmung (informiert ohne kognitive Kosten). Zentrum = bewusste Fokussierung (erfordert aktive Aufmerksamkeit). Gute Technologie wechselt nahtlos zwischen beiden.

Quelle: Calm Technology: Ein Designprinzip von 1995 wird gerade wieder relevant

Platform Play

Strategischer Ansatz, bei dem ein Unternehmen seine Technologie als Plattform öffnet, auf der andere aufbauen können. Beispiele: App Store (Apple), GPT Store (OpenAI). Ziel: Wertschöpfung durch ein Ökosystem statt durch ein einzelnes Produkt.

Quelle: How Will OpenAI Compete?

Prinzipien-Paradox

Beobachtung, dass die wachsende Anzahl von KI-Ethik-Leitlinien nicht zu mehr ethischem Handeln führt. Die Existenz von Prinzipien erzeugt den Eindruck gelöster Probleme, während die strukturellen Ursachen unverändert bleiben.

Quelle: Kritische Theorie als Diagnosewerkzeug für KI-Systeme

Product Thinker / Product Builder

Hypothetische Rollenprofile aus einer stärkeren Generalisierung heutiger Product-Rollen (PM, PD, Dev). Thinker = Strategie, Framing, Entscheidung. Builder = Umsetzung, Prototyping, Iteration.

Quelle: Wenn Visualisierung billig wird, wird Klarheit teuer

Pull Request

Ein Pull Request (PR) ist ein Vorschlag, Codeaenderungen in ein gemeinsames Projekt zu uebernehmen. Andere Teammitglieder pruefen den Code, geben Feedback und genehmigen die Aenderung. In klassischen Teams ist der PR-Review ein zentraler Qualitaetssicherungsschritt – in agent-getriebenen Workflows wird er zunehmend als Engpass diskutiert, wenn Agenten hunderte PRs taeglich erzeugen.

Quelle: The Software Development Lifecycle Is Dead

R

RLHF (Reinforcement Learning from Human Feedback)

Ein Trainingsverfahren, bei dem menschliche Bewertungen genutzt werden, um das Verhalten eines KI-Modells zu steuern. Ziel: Das Modell soll hilfreiche, ehrliche und harmlose Antworten geben.

Quelle: AI 2027: Ein Szenario

S

SDLC (Software Development Lifecycle)

Der Software Development Lifecycle beschreibt die klassische Abfolge von Phasen in der Softwareentwicklung: Anforderungen erfassen, System entwerfen, Code schreiben, testen, pruefen, ausliefern und ueberwachen. Traditionell laufen diese Schritte nacheinander ab, jede Phase hat klare Uebergabepunkte. In der Praxis vieler Teams loesen sich diese Phasen zunehmend auf – insbesondere wenn AI-Agenten grosse Teile des Zyklus gleichzeitig ausfuehren.

Quelle: The Software Development Lifecycle Is Dead

Sprint Planning

Sprint Planning ist ein Ritual aus der agilen Softwareentwicklung (Scrum), bei dem ein Team plant, welche Aufgaben es in den naechsten ein bis vier Wochen umsetzen will. Die Aufgaben werden geschaetzt, priorisiert und zugewiesen. In agent-getriebenen Workflows verliert Sprint Planning an Bedeutung, weil der Zyklus von Idee zu Auslieferung drastisch verkuerzt wird.

Quelle: The Software Development Lifecycle Is Dead

T

TDD (Test-Driven Development)

Test-Driven Development ist eine Entwicklungsmethode, bei der zuerst automatisierte Tests geschrieben werden und dann der Code, der diese Tests bestehen soll. Der Zyklus: Test schreiben, Code schreiben, Test bestehen, Code aufraumen. Bei AI-Agenten wird TDD zunehmend zum Standardverhalten – der Agent generiert Tests und Code gleichzeitig.

Quelle: The Software Development Lifecycle Is Dead

Technischer Code

Konzept von Andrew Feenberg (1991). Die impliziten Wertentscheidungen, die in die Architektur eines technischen Systems eingeschrieben sind – noch vor jeder expliziten Ethik-Policy. Macht sichtbar, dass „neutrale” Designentscheidungen politische und soziale Konsequenzen haben.

Quelle: Kritische Theorie als Diagnosewerkzeug für KI-Systeme

Tight Loop

Ein Tight Loop beschreibt einen sehr kurzen, eng gekoppelten Regelkreis zwischen Aktion und Feedback. Im Kontext agent-getriebener Softwareentwicklung meint es den Zyklus: Absicht formulieren, Agent baut, Ergebnis beobachten, anpassen – ohne die langen Wartezeiten klassischer Entwicklungsprozesse.

Quelle: The Software Development Lifecycle Is Dead

U

Ubiquitous Computing

Von Mark Weiser geprägter Begriff (1991) für allgegenwärtige, unsichtbare Computertechnologie. Der theoretische Rahmen, aus dem Calm Technology hervorging.

Quelle: Calm Technology: Ein Designprinzip von 1995 wird gerade wieder relevant

← Alle Field Notes